© Rouzanna Eisenmenger-Karapetian, 2019

Die Farben der Liebe

So hat Rose Eisen einmal ihre Photographien genannt, die sich aus tiefer seelischer Quelle speisen.

Ihre ästhetischen „Ablichtungen“ der inneren Wahrheit ihres Herzens sind vielmehr als nur reine Photographien, es sind tiefpoetische Licht- und Farbkompositionen:

Diese Künstlerin aus Berufung „malt“ mit dem Licht. Ihre Bilder sind schimmernde Ikonen der Hoffnung, geboren aus dem innersten Bedürfnis nach Trost und erlösender Schönheit.
Dabei schafft sie ihre Bilder aus einfachen Alltagsgegenständen, die sie behutsam arrangiert und inszeniert, gleichwie holländische Maler des 17. Jahrhunderts ihre Stillleben in vollkommene Harmonie versetzt haben.
Mit ihren modernen Stillleben erzählt die aus Armenien stammende Künstlerin Geschichten von Liebe und Vergänglichkeit, die viel Raum für Interpretationen lassen.
Eine nachdenkliche und meditative Atmosphäre entströmt diesen ausdrucksstarken Schöpfungen, die eine poetische Sprache entfalten, die voller Andeutungen, Assoziationen und Symbolen ist.
Fische, Muscheln, eine Zitrone, Schmetterlinge, Bücher oder ein Kürbis, aber auch Werke der Kunstgeschichte tauchen auf, in ihren farbgesättigten, gleichsam „duftenden“ Bildern, die im Rhythmus der Seele atmen.

Chagall, Picasso, die Alten Meister wie Cranach oder Dürer sind ihre Inspirationsquellen, die Erinnerungen an Stillleben, die die Wände des Elternhauses schmückten, leuchtet wieder auf, wenn sie ihre malerisch exquisit beleuchteten „Dinge“ komponiert und zu Chiffren menschlicher Gefühle werden lässt.
Wie Goethe sagte in seiner berühmter „Farbenlehre“, wirken die Farben direkt auf unser Gemüt und rufen Gefühle hervor, aber auch Gedanken, die uns erregen oder beruhigen können.
Gemälde und Zitate, Erinnerungen, Gedanken und Gefühle verschmelzen bei Rose Eisen zu einer leidenschaftlichen Synthese aus Farben, Formen und Licht. Rose Eisen „zeichnet“, ja „dichtet“ mit dem Licht: die besondere Beleuchtung, die den Dingen neue Bedeutung verleiht, ist nie alltäglich, aber auch nie gesucht, sondern entspringt dem spontanen Augenblick, den sie ins Bild bannen will.
„Das, was ich fühle, will ich ausdrücken“, sagt Rode Eisen im einfühlsamen Gespräch mit ihrer warmherzigen, offenen Art, die ihr viele Freunde gewonnen hat, und betont: „Meine Photographien sind auch Ausdruck der Verwandlung, der inneren Veränderung, auch des Verletztseins“, das in den momenthaften, doch tiefsinnigen Bildern zur Sprache kommt, aber gleichzeitig lassen sie auch das andere Gesicht der Dinge, ihre verborgene Seele durchscheinen.

Dr. Matthias Müller-Lentrodt, Kunstkritiker und Kulturhistoriker, Berlin